Nachhaltigkeit
Lärm macht krank - Profilierte Markierungsfolie erzeugt weniger Geräusche

Mehr als 50 % der Bevölkerung in Deutschland sind nach Angaben des Umweltbundesamtes gesundheitsgefährdendem Lärm ausgesetzt. Lärm auf Straßen hat viele Quellen. Und das Geräusch beim Überfahren von Fahrbahnmarkierungen gehört zweifellos mit dazu.
Download:
Kurzfassung Geräuschemissionen verschiedener Markierungstypen (PDF, 487kb)
Untersuchungsbericht Geräuschemissionen verschiedener Markierungstypen (PDF, 332kb)
Die Vermeidung von Straßenverkehrslärm an der Quelle ist das Ziel vieler Gesetze, Initiativen, Untersuchungen und Entwicklungen. Hier einige aufschlussreiche Beispiele:
Umgebungslärmrichtlinie des Europäischen Parlamentes
Regelungen der Geräuschimmissionen in der Umwelt
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)
Nationales Verkehrslärmschutzpaket der Bundesregierung
Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
Forschungsprojekt „Leiser Straßenverkehr“ des Ministeriums für Wirtschaft und Technologie
Umweltbundesamt (UBA)
Berichte zur Lärmproblematik
Das Reifen-Fahrbahn-Geräusch ist eine der Hauptkomponenten des Außengeräusches von Kraftfahrzeugen. Es ist wesentlich an der Entstehung des Straßenverkehrslärms beteiligt, da die Antriebsgeräusche seit den 70er Jahren deutlich reduziert werden konnten. Man kann davon ausgehen, dass bei modernen Fahrzeugen bei konstanter Fahrt ab 30 km/h die Reifengeräusche überwiegen.
Die durch die unterschiedlichen Entstehungsmechanismen erzeugten Geräuschanteile sind von zahlreichen Einflussgrößen abhängig. Eine davon ist das Geräusch bei der Überrollung und Überquerung von Fahrbahnmarkierungen. Die verstärkte Verwendung von geräuscharmen Markierungsstoffen im Zuge von Straßenmarkierungen kann einen Beitrag zur Entlastung von Anwohnern und auch der Kraftfahrer leisten.
Ergebnisse von CPX-Messungen
Um einen Überblick über die Zunahme der Geräuschemissionen beim Überfahren verschiedener Markierungstypen zu erhalten, wurde das Ingenieurbüro Müller-BBM mit einer Untersuchung beauftragt. Müller-BBM, Reutlingen, eines der führenden Unternehmen für Beratungsleistungen, Prüfungen und Planungen für Umwelt- und Immissionsschutz hat Geräuschmessungen mithilfe des CPX-Verfahrens (Nahfeldmessmethode nach ISO/CD 11819-2) auf unterschiedlichen Fahrbahndecken mit verschiedenen Markierungstypen durchgeführt. Hierzu wurden jeweils die Geräusche auf der Markierung und dem eigentlichen Fahrbahnbelag gegenübergestellt.
Auszug aus dem Untersuchungsergebnis:
- Insgesamt weisen die gemessenen Agglomeratmarkierungen gegenüber der jeweils angrenzenden Deckenschicht signifikante Schallpegelerhöhungen um bis zu 3,6 dB(A) auf. Zum Vergleich: Eine Verdoppelung der Verkehrsmenge führt zu einer Pegelerhöhung der Straßenverkehrsgeräusche um 3 dB(A).
- Die gemessenen Folienmarkierungen (profilierte Markierung 3M Stamark A380, die Red.) zeigen hingegen auf vergleichbaren Deckschichten lediglich Schallpegelerhöhungen bis max. 1,3 dB(A) auf. Zum Vergleich: Die Wahrnehmungsschwelle des Menschen für Pegelerhöhungen liegt bei 1 dB(A).
Die Analysewerte zeigen, dass die profilierte 3M Stamark A380 Folie im Vergleich zu Agglomeraten den wahrnehmbaren Lärmpegel der Straße kaum erhöhen. Im günstigsten Fall wie z.B. bei Betonfahrbahndecken liegen die Geräuschwerte auf Folie auf dem Niveau des Fahrbahngeräuschpegels. Details finden Sie in der Zusammenfassung und dem vollständigen Bericht von Müller-BBM.
Weitere Vorgehensweise
Die Ergebnisse dieser ersten Untersuchung vermitteln eine deutliche Trendaussage zur Geräuschentwicklung von Markierungstypen. Weitere Untersuchungen könnten zusätzliche Varianten von Deckschicht/Markierung aufnehmen, um die hier ermittelten Aussagen zu festigen.
Die Umgebungslärmrichtlinie (2002/49/EG, §§ 47 a-f BImSchG) fordert die Kommunen in Deutschland auf, Maßnahmen zur Verminderung der Lärmbelastung zu ergreifen (siehe Kasten). Im Rahmen des Konjunkturpakets II stellt die Bundesregierung im Investitionsschwerpunkt Infrastruktur unter anderem für diesen Förderzweck 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung.
Für eine nachhaltige Lärmminderung ist es sicherlich sinnvoll, verschiedene sich ergänzende Maßnahmen zu kombinieren und dabei die Fahrbahnmarkierungen in die Überlegungen mit einzubeziehen. Insbesondere, wenn zum Schutz der Anlieger „Flüster-Asphalt“ (OPA) eingesetzt wird, ist die Verwendung von „leisen“ Markierungen folgerichtig.



